V. BEINDORF ARBEITEN 2 

© Volker Beindorf, Grenzwertig 20, 300 x 200 mm

Stacheldraht.


Auslöser für meine intensive Beschäftigung mit Stachel-draht war der Rat eines Nachbarn,  ihn an meinem Gartenzaun anzubringen, damit  Jugendliche vom benachbarten Sportplatz nicht mehr über den Zaun klettern. Meine spontane Entscheidung war, das auf keinen Fall zu tun. Und dann habe ich angefangen zu überlegen, warum. Erinnerungen an Kindheitserlebnisse mit Winkelhaken in den Hosen kamen auf, Folgen vom Überklettern von Stacheldrahtzäunen. 


Er ist nach wie vor höchst effektiv (in Verdun hat er  100 Jahre überdauert, ist verrostet, aber immer noch stabil) und daher weit verbreitet: an Absperrungen, Barrieren, Gefängnissen, Grenzen, als rasierklingenscharfer NATO-Draht perfide verfeinert. 

Andererseits übt er eine Faszination auf mich aus, weil es eine unglaubliche Vielfalt von Einzelformen vor allem an älteren Zäunen gibt: Nahezu jedes Segment sieht anders aus, verändert durch Rost, aber auch in unzähligen Varianten durch Berührung verbogen und verformt. 

Von Nahem betrachtet entpuppt sich ein Stacheldraht-zaun daher nicht nur als furchtbar, bedrohlich und gefährlich, sondern auch als spannende und formal höchst differenzierte Aneinanderreihung von abwechslungs-reichen Kleinstplastiken. 


Diese extreme Ambivalenz hat mich gereizt, mich intensiv mit der Darstellung dieser kleinen plastischen Gebilde zu beschäftigen und sie in ihrer Bedrohlichkeit, aber auch in ihrer skulpturalen Qualität festzuhalten.