Yevgeniya Safronova

Verflechtungen


Yevgeniya Safronova beschäftigt sich mit grundsätzlichen Fragestellungen des Skulpturalen, wie dem Verhältnis des plastischen Volumens zum Raum, mit Oberfläche, Kontur, Wiederholung und Bewegung. Die Formen, die sie oftmals in Werkserien entwickelt, sind imaginär, enthalten jedoch Anklänge an die Natur oder vom Menschen Geschaffenes. Häufig weisen Safronovas Plastiken kristalline, waben- oder knotenartige Strukturen auf, andere erinnern an Schlingen oder Schlaufen. In kleinerem Format werden sie in Gips oder Kunststoff ausgeführt, in größeren Dimensionen in Epoxidharz.

Schon seit ihrer Akademiezeit setzt sich die Künstlerin intensiv mit der raumverändernden Qualität von Skulptur auseinander, indem sie Plastiken schafft, die, anstatt sich frei im Raum zu entfalten, wie Wucherungen oder Ausstülpungen der architek-tonischen Hülle an Wänden, Fußböden oder Pfeilern haften. Großplastische Formfindungen veranschaulichen Safronovas bildnerische Vorstellungen in idealer Weise: Die komplexen Gebilde lassen skulpturale Landschaften entstehen, die, von verschiedenen Standpunkten aus betrachtet, immer wieder neue Konstellationen offen-baren. Auf den mal kantig, mal weich gebrochenen, zumeist strahlend weißen Oberflächen fängt sich das Licht in verschiedenen Schattierungen, wodurch ein fast malerischer Effekt erzeugt wird. Als Ergebnis eines aufwendigen handwerklichen Schaffensprozesses ist all ihren Formfindungen eine hoch ästhetische, elegante plastische Sprache zu eigen. 


Dr. Heike Baare

© Yevgeniya Safronova, Fotos Werner J. Hannappel